Filterblase und Co: Wie stark ist der Einfluss des Internets wirklich?

Seit geraumer Zeit wird immer wieder das Phänomen der Filterblasen diskutiert und oftmals als ein entscheidender Faktor unter anderem bei der Analyse von Wahlausgängen herangezogen.

Doch stimmt das wirklich? Sind wir diesen Filterblasen wehrlos ausgesetzt? Und welche Rolle spielen dabei das Internet im Allgemeinen bzw. im spezifischen soziale Netzwerke?

Zunächst einmal ein bißchen Begriffsklärung: Mit Filterblase ist das Phänomen gemeint, dass Internetuser durch personalisierte Angebote im Netz zunehmend nur das zu sehen bekommen, was ihren vorher offenbarten Präferenzen entspricht. Dies trifft insbesondere im Hinblick auf Werbung, Unterhaltung, aber eben auch auf politische Einstellungen zu.

Inwiefern und wie groß der Einfluss von Algorithmen ist, die eine solche Personalisierung vornehmen, war bisher schwierig zu beantworten, da die großen Konzerne nicht gerade transparent mit diesem Thema umgehen.

Mit dem wissenschaftlichen Projekt “Algorithm Watch” wurde versucht Antworten auf diese komplexen Fragestellungen zu finden, indem verschiedene Internetuser identische Suchanfragen stellten und die Treffer im Hinlick auf Gleichheit vs. Unterschiedlichkeit ausgewertet wurden.

Die Analyse der Daten ergab, dass zumindest bei Google-Anfragen die Ergebnisse nicht in der Form variierten, die die Bezeichnung einer Filterblase rechtfertigte. Dazu waren die Unterschiede, die meist auf regionale Aspekte bezogen waren, eindeutig zu gering.

Ein ganz anderes Resultat zeigte sich jedoch bei sozialen Netzwerken wie z.B. Facebook. Hier bekam der User auch Ergebnisse angezeigt, nach denen er nicht aktiv gesucht hatte. Eine wetiere Analyse ergab, dass der Facebook-Algorithmus nicht nur die eigenen Vorlieben bewertet sondern auch Diskussionsbeiträge von verknüpften Freunden mit einbezieht. Demnach stellen die Einstellungen der Personen mit denen man verknüpft ist ein entscheidendes Kriterium dar. Umgibt man sich im sozialen Netzwerk mit einer homogenen Gruppen an Personen im Hinblick auf die politische Meinung, so bekommt man im Gegenzug sehr einseitige politische Nachrichten präsentiert.

Dies zeigt, dass also mindestens zwei Kriterien zusammenkommen müssen, damit eine Filterblase entsteht.

1) Algorithmen, die das Angebot auf einen User zuschneiden

2) Offenlegung der eigenen Präferenzen von Usern in sozialen Netzwerken durch:

Suchanfragen
Freundschaften
Gruppenmitgliedschaften
Beteiligungen an Diskussionen und andere Aktivitäten in sozialen Netzwerken

Forscher jedoch widersprechen der Meinung, dass der User passiv in einer solchen Blase gefangen ist und dass er dieser hilflos ausgeliefert sei.

Es ist vielmehr so, dass Menschen sowohl online als auch offline aktiv die Gemeinschaft von Gleichgesinnten suchen.

Neu an den sozialen Medien ist lediglich die Schnelligkeit mit der es uns gelingt mit Gleichgesinnten in Kontakt zu treten.

Vor diesem Hintergrund ist es übertrieben soziale Netzwerke sowie das Internet als manipulative Werkzeuge von Werbe- und Kampagnenstrategen darzustellen.

Jedoch laden die Ergebnisse dazu ein sich kritischer selbst zu reflektieren und sich stets die eigene Verantwortung vor Augen zu führen:

Es steht uns frei unterschiedliche Informationsquellen heranzuziehen, um komplexe Sachverhalte bewerten zu können. Wir haben es folglich selbst in der Hand, mit welchen Menschen wir uns umgeben und können ebenfalls selbst entscheiden, auch Informationsquellen heranzuziehen, die vielleicht unserem ersten Impuls oder unserer Einstellung widersprechen, um unseren Horizont ganz bewusst zu erweitern und Informationen somit kritisch zu beäugen.

Quellen:

Bail, C.A.: Exposure to Opposing Views on Social Media Can Increase Political Polarization. In:PNAS 115, S. 9216-9221, 2018

Neubaum, G. et al.: Your `re a Bad Person! When Moral Violations Lead to Unfriending Behavior on Social Media. Vortrag auf der 68. Jahrestagung der International Communication Association, Prag, Mai 2018

Vosoghi, S. et al.: The Spread of True and False News Online. In: Science 359, S. 1146-1151, 2018